Sollen Altbauten, die das Stadtbild prägen erhalten werden?

Ein Mikro-Bürgergutachten für Bielefeld

Samstag, den 04.09.2021

Eine Veranstaltung von Mehr Demokratie e.V. in Kooperation mit der Volkshochschule Bielefeld.

Ganz besonders interessierte neun Bielefelder:innen kamen für einen Nachmittag zusammen, um darüber zu beraten: „Sollen Altbauten, die unser Stadtbild prägen erhalten werden?“
Ihr Ziel war, Empfehlungen zu diesem strittigen Thema für den Stadtrat und die Städt. Verwaltung zu entwickeln.

Zu diesem Thema sollte ein schlankes Bürgerbeteiligungsverfahren ausprobiert werden, das auch zu anderen schwierigen Fragen in Bielefeld eingesetzt werden kann. Der Entwickler des Mikro-Bürgergutachtens, Wolfgang Scheffler aus Bayern moderierte den Prozess.

Fachliche Informationen aus verschiedenen Perspektiven wurden von den Experten anschaulich vermittelt:

Bernd Vollmer, langjähriges Beiratsmitglied für Stadtgestaltung, sprach über Verluste von Bielefelder  Altbauten,  gefährdete Gebäude und Bewertungsmöglichkeiten. Für die Teilnehmenden schloss sich folgende Frage an: Wie kann ein nachhaltiger Umgang mit stadtbild-prägenden Altbauten aussehen?

Prof. Eduard Führ, Architekturtheoretiker und Gutachter für städtebauliche Projekte, behandelte den Umgang mit Bielefelder Altbauten in Vergangenheit und Zukunft: Wie können Geschichte und Identität Bielefelds erhalten bleiben? Wie können Neubauten auf die bestehenden Altbauten und auf den städtebaulichen Kontext abgestimmt werden? Wie können sich Geschichte und Kultur weiterentwickeln? Diese Aspekte wurden von den  Teilnehmenden unter folgender Fragestellung vertieft: Nach welchen Gesichtspunkten sollen  Altbauten erhalten und Neubauten besser auf Vorhandenes abgestimmt werden?

Nach jedem Vortrag hatten die Teilnehmenden jeweils eine halbe Stunde Zeit, sich in Kleingruppen zum Thema auszutauschen und auf drei wichtigste Vorschläge zu einigen. Im Plenum wurden alle Vorschläge gesammelt, Schwerpunkte gesetzt und Abstimmungen durchgeführt – als Grundlage für Empfehlungen an den Stadtrat.

Die von der Gruppe entwickelten Empfehlungen nach ihrer Priorität, ergänzt durch die Abstimmungsergebnisse (Ja, Nein, Enthaltung) sind:

1. Eigentümer zu nachhaltigem Erhalt von Gebäuden motivieren / verpflichten; Verfall und Leerstand entgegenwirken (J:9, N:0, E:0)

2. Neubau ästhetisch an Altbauten im Quartier angleichen: Baukörper gliedern, Fassaden angleichen mit entsprechenden Fenstern, Geschosshöhen, Simsen (J:9, N:0, E:0)

3. Beirat für Stadtgestaltung stärken (J:9, N:0, E:0)

4. Gemeinwohl und städtisches Eigeninvestment in den Fokus rücken (J:9, N:0, E:0)

5. Gebäudekataster von Stadtbild-prägenden Gebäuden frühzeitig erstellen (J:8, N:0, E:1)

6. Ästhetik vermittelt Identität und Wertschätzung (J:8, N:0, E:1)

7. Wenn ein Neubau geplant wird, dann bitte mit nachhaltigen Baustoffen (J:7, N:0, E:2)

8. Beachtung bestehender und Entwicklung neuer verbesserter sozialer Strukturen im Quartier (J:7, N:0, E:2)

9. Neubau maximal als Ergänzung zu historischem Altbau, nicht als Ersatz (J:5, N:2, E:2)

10. Neubauten nutzen, um Altbau aufzuwerten (J:4, N:1, E:3)

Mit dem Mikro-Bürgergutachten können Ratsmitglieder und zuständige Dezernate Einblicke darüber gewinnen, welche Gesichtspunkte Bürger und Bürgerinnen zum Erhalt von Altbauten berücksichtigt sehen möchten.
Das Mikro-Bürgergutachten wurde unserem Oberbürgermeister Pit Clausen übergeben und den Fraktionsvorsitzenden zugestellt.

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