Offener Brief an Herrn Baudezernent Gregor Moss von Dr. Marion Koch, Bielefeld, 20.11.2021

Betreff: Hammer Mühle. Bitte stehen Sie mit uns zusammen!

Sehr geehrter Herr Moss,

als Gründerin der Bürgerinitiative zum Erhalt der Hammer Mühle möchte ich Sie hiermit direkt ansprechen. Sie sind der Beigeordnete der Stadt Bielefeld und als solcher für die Pflege und den Ausbau der Baukultur in Bielefeld zuständig.

Bitte setzen Sie sich für den Erhalt der Hammer Mühle ein. Die Hammer Mühle ist nicht nur heute ein wichtiger Ort des sozialen Zusammenseins des Quartiers, sondern zugleich ein Denkmal der Arbeitergeschichte in Bielefeld. Die behördliche Inschutznahme der stadtbildprägenden Hammer Mühle erfolgte aus historischen, sozialen und kulturellen Gründen nach dem DSchG § 2.

Eine moderne Stadtentwicklung weiß, dass Gastronomie/ Treffpunkte als Bausteine in dieser Stadtentwicklung unbedingt dazu gehören, beim derzeitigen Rückzug ins Private sind sie wichtiger denn je.

Die Hammer Mühle befindet sich in Privateigentum. Zugleich jedoch ist dieses Privateigentum von hohem, öffentlichem Belang, eine Art Zwitter, es befindet sich mitten im Interesse des Gemeinwohls.

„Die Hammer Mühle soll erhalten bleiben!“ – Wie eine Fuge schallte diese Willensbekundung der Bürgerschaft allen entgegen, es war (und ist) unüberhörbar, in Massen an Leserbriefen über Wochen und Monate hinweg, in zahllosen Presseartikeln; in der Petition zum Erhalt der Mühle schnellten die Unterschriften wie rasend in die Höhe, das Quorum war vorzeitig erreicht, für ein nur innerstädtisches Anliegen ist das ungewöhnlich; dem Vernehmen nach müssten die Briefkästen politischer Akteure überquellen, mit Stimmen der Entrüstung aus der Bürgerschaft.

Die politische Interessensvertretung dieser Bürgerschaft stimmte der vorzeitigen Inschutznahme der Hammer Mühle fast einstimmig zu, die Hammer Mühle soll der Stadt Bielefeld erhalten bleiben.

All diesen validen Interessensbekundungen aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung widersetzten sich die Investoren, verbindliche Bekundungen haben sie missachtet. Mit Nacht- und Nebelaktionen des Abrissbaggers, ein Verhalten, das man nur aus us-amerikanischen Krimis kennt, neben der Flucht vor der Zustellung von amtlichen Bescheiden, der Verschleppung von Anhörungen – und mit nachträglichen, juristisch spitzfindigen Rechtfertigungen. Juristisch ist das alles sicherlich vertrackt und für Fachfremde nicht mehr durchschaubar. Ethisch-moralisch hingegen ist es offenkundig, ein solches Verhalten lässt jeglichen Anstand vermissen! Das kann doch niemand billigen, vor allem auch nicht hochrangige Beamte der Stadt Bielefeld.

Nennen wir das Kind beim Namen, mit diesen Investoren haben wir eine Laus im Pelz. Das Vertrauen in diesen Investor ist vollends verwirkt. Die unseren politischen Gremien vorgelegten, zu ihrer eigenen Bevorteilung manipulativ gefakten Neubauskizzen untermauern diesen Vertrauensverlust auf ein weiteres.

In der Revitalisierung des Bielefelder Ostens hat die Hammer Mühle einen besonderen Standort, er ist selten und damit sensibel: Dieser Standort ist recht zentral zur Stadtmitte hin gelegen, zugleich befindet sich dieser Standort mitten im Grünen des Ravensberger Parks. Natürlich sind Investoren an solchen Grundstücken geradezu brennend interessiert. Aber die Stadt hat das Vorkaufsrecht, mit Argusaugen hätte dieses Grundstück beobachtet werden müssen. Auch hätte der Denkmalschutz früher in die Wege geleitet werden müssen. Hätte, hätte, hätte: welch‘ eine Panne ist da passiert!

Mit Verschwinden der Hammer Mühle stünde der gesamte Bielefelder Osten vor dem gastronomischen Nichts. Von der Detmolder- bis rüber zur Herforder-, gen Osten hin zur Otto-Brenner-Straße und jeweils darüber hinaus, wäre jede Möglichkeit von Kommunikation und Soziabilität verschwunden.

Im validebekundeten Interesse des Gemeinwohls der Bielefelder Bürgerschaft sollte uns die Hammer Mühle erhalten bleiben. Wir haben in Deutschland eine der besten Verfassungen weltweit. In unserem kostbaren Grundgesetz steht in Artikel 14:

„(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. 3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.“

Wir sind keine Juristen, aber in diesem Fall könnten diese beiden Paragrafen juristisch greifen. Herr Moss, wir möchten Sie bitten, eine solche Enteignung eingehend zu überprüfen. Bringen Sie der Bürgerschaft das Tafelsilber bitte dorthin, wo es hingehört, nämlich in die Hände der Kommune.

Der Abriss der Hammer Mühle stünde zudem der seit 20 Jahren unternommenen Revitalisierung von Bi-Ost entlang des Lutterzuges entgegen, gerade in dem Moment, in dem es um die Freilegung der Lutter geht, wird sie abgerissen.

Für die „neue“ Hammer Mühle hatten wir ein spannendes, regional ausgerichtetes Konzept in Arbeit: Im Erdgeschoss eine privat-wirtschaftlich geführte Gaststätte mit Außengastronomie, als Brauerei hatten wir „Flutlicht“ in Brackwede im Visier. Im 1. und 2. Stockwerk sahen wir Schneidereien mit kleinen Ateliers für nachhaltige Mode, vielleicht in Kooperation mit der hiesigen FH, Fachrichtung Design und Mode. Im 1. OG war ein stundenweise vermietbarer Raum für politische und andere Interessensgruppen geplant. Mit Sicherheit hätten wir mit diesem Konzept Fördermittel bekommen, aus Töpfen zur Reregionalisierung. Ebenso aus Töpfen des Denkmalschutzes, schließlich hatten wir mit diesen Schneidereien thematisch einen Bogen zur historischen Gaststätte geschlagen (erste Gäste Arbeiter aus Textil- und Nähmaschinenindustrie). Sicherlich hätten sich ein paar Sponsoren aus der hiesigen Textilwirtschaft gewinnen lassen. Für die Stadtkasse wären die Kosten überschaubar gewesen. Wir waren just dabei unser Stadtmarketing zu Rate zu ziehen – als es krachte. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, vielleicht wird das doch noch was.

Als Alternative zur Hammer Mühle schlugen die Investoren im EG des Neubaus einen, Zitat: „Imbiss, vielleicht mit Kiosk“ vor. Ist das nun Zynismus oder Realsatire? – Für den Bielefelder Osten ist dieser Vorschlag ein Schlag ins Gesicht. An Pizza-Taxen und Dönerbuden haben wir hier mehr als genug, direkt beim Nachbar der Hammer Mühle fängt es an (Pizza-Taxi).

Herr Moss, als Dezernent sitzen Sie verantwortlich mit den Investoren am Verhandlungstisch, eine Herausforderung, um die ich Sie nicht beneide. Bitte zeigen Sie Rückgrat, demokratisches Rückgrat, stehen Sie mit uns zusammen, zusammen mit der Bürgerschaft, im Interesse des Gemeinwohls einer eigentlich doch tollen und liebenswerten Stadt.

Zu guter Letzt, bitte reden Sie mit uns, in einem gemeinsamen, kooperativen Dialog, etwa in einer öffentlichen Veranstaltung.

Haben Sie herzlichen Dank,

mit freundlichen Grüßen

Marion Koch

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